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Dienstag, 10. Mai 2016

Die Glücklichen

Für ihren Roman "Die Glücklichen" hat Kristine Bilkau Figuren entwickelt, mit denen sie erst einmal gespielt hat. Es sind Szenen entstanden, in denen ihre Protagonisten agieren mussten, weil die Autorin sie in bestimmte Situationen gebracht hat.
Diese Kapitel sind zum Schluss nicht im Roman aufgetaucht, haben lediglich dazu gedient,  Figuren zu entwickeln. Kristine Bilkau ist anscheinend eine Schriftstellerin mit Geduld. Und die hat sich ausgezahlt.
Ein kleines Interview dazu gibt es im Blog  kapitel eins von und mit Cornelius Hartz.

Was heißt das für unsere eigene schriftstellerische Arbeit?
In erster Linie wird klar, dass viele, zum Teil verschlungene Wege zum Ziel führen können.

Besonders interessant finde ich im Hinblick auf den nächsten Schreibkurs (Montag, 23. Mai, siehe unter Label 'Schreibkurs') die Arbeit an den Figuren.
Wenn ihr schon eine Ahnung habt, wer eine Rolle spielen soll, aber noch nicht recht wisst, wie die Geschichte aussehen könnte, hilft vielleicht das Spiel mit Situationen.

- Eure Figur steht im Supermarkt an der Kasse, und zwar weit hinten in einer langen Schlange. Ein Mann mit Gehwagen rast heran, fährt eurer Figur über den Fuß und stellt sich, als sei euer Protagonist/eure Protagonistin unsichtbar, vor ihn/sie in die Warteschlange.
Wie reagiert eure Figur?

- Es klingelt an der Tür eurer Figur. Ein Mann in Uniform steht mit betroffenem Gesicht auf der Schwelle und sagt: "Es tut mir wahnsinnig leid!"

- Eure Figur lernt jemanden kennen und verliebt sich. Schon nach zwei Wochen wollen die beiden zusammen in den Urlaub fahren. Geht das gut? Was muss passieren, damit es funktioniert? Was geht auf keinen Fall? Welches Transportmittel wählen die zwei? Sind sie sich über das Ziel einig? Spielt Geld eine Rolle?

Erinnert euch an Situationen, die für euch selbst skurril, beängstigend, interessant, etc. waren und schickt eure Figur in eine ähnliche Lage.

Gute Reise!


Sonntag, 24. April 2016

Buchkinder ...

... sind keine kleinen Druckerzeugnisse, sondern Kinder zwischen 4 und 18 Jahren, die ihre eigenen Bücher schreiben, illustrieren und mithilfe von Erwachsenen veröffentlichen.
Bildende Kunst und Schrift treffen sich fantastisch auf

www.buchkinder.de

Wenn das kein Anreiz für Künstler und Pädagogen ist! Ein Vorzeigeprojekt aus Leipzig, das inspiriert.

In Bremen (wie auch in zahlreichen anderen Städten) gibt es Buchkinder-Ableger, die hier 'Orsolibri' und 'Buchkinder Bremen' heißen.

www.orsolibri.de/buchkinderbremen

Kontakt aufnehmen könnt ihr über:
info@orsolibri.de oder per Telefon unter 0421-36485640.

Ich weiß dann schon, womit ich mich nächste Woche beschäftige. Vielleicht treffen wir uns.

Eine wunderbare Woche mit  wahrscheinlich relativ vielen möglichen Wetterlagen! Sonne wird unbedingt bevorzugt.

Sonntag, 17. April 2016

Poesie

Frühling ist reine Poesie, Melancholie ebenso. Auch Wut kann reimen, Verliebtheit oder die Menschen, die auserkoren werden, zu anstehenden Festen Kluges zu Pappier zu bringen - bevorzugt in poetischer Form.

Hin und wieder reihe auch ich mich ein und kreiere Liedtexte und Gedichte, denn ich habe festgestellt, dass mich der Reim sowie das Spielen mit Wörtern sehr inspiriert, meinen Gedankenfluss beschleunigt. Manchmal halte ich mich dabei an Regeln, dann wieder nicht. Erlaubt ist selbstverständlich alles.
So kann ich komplexe Gedankengänge in eine kompakte Form bringen. Das geschieht wie von selbst, als sei die Form dazu gemacht, das Denken zu verkürzen, schneller zu einem Ergebnis zu kommen.
Mich reizen außerdem Doppeldeutigkeit und Unsinn, die Verwendung alter Wörter, verschrobene Reime.

Gedichte müssen sich nicht reimen, sollen aber Spaß machen, auch wenn sie kein komisches Thema bedienen.
Komischerweise fliegen mir die Reime, wenn ich erst einmal begonnen habe, wie ein Schwarm Bienen im Kopf herum. Sobald ich spät abends noch an Gedichten arbeite, kann es mir passieren, dass mir die ersten Traumgedanken in gereimter Form begegnen.

Besonders mag ich das Elfchen, das so heißt, weil es aus elf Wörtern besteht und trotz seiner Zartheit recht kompakt sein kann.

Auf der Suche nach besonderen Wörtern, die sich für Gedichte manchmal besser eignen als für Prosa, bin ich auf eine Seite gestoßen, die Gedichteschreiber-innen interessieren könnte:

Poesie-Briefkasten

Der Briefkasten wird von der Künstlerin Katharina Schweissguth geleert und ihr habt die Chance, mit euren Gedichten öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen.

Die Adresse des Briefkastens lautet

Poesie-Briefkasten
Wirtstraße 17
81539 München

Zum Schluss ein paar  Wort-Kostbarkeiten. Vielleicht könnt ihr euch einen Reim darauf machen:

Schwindsucht
berauschen
Scharmützel
Notdurft
Flegel
eigentümlich
verwunschen

Euch allen einen Sonntagabend voller Müßiggang, ohne Vatermörder, dafür turtelnd vor einem törichten Film mit sanftmütigem Ausgang.  



Sonntag, 3. April 2016

Schreib!

Das ist der Titel einer Veranstaltung, die in der Bremer

Zentralbibliothek
Am Wall 201
28195 Bremen 

 am

Freitag, den 15. April 2016 von 14.00 - 18.00 Uhr

sattfindet.

Zehn Bremer Schreibgruppen stellen sich vor, Autor-innen halten Vorträge, Lesungen, Workshops, präsentieren sich an Infoständen.
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und ihr trefft die Akteure im Wall-Saal und im Friedo-Lampe-Raum.

Wer mehr erfahren möchte, klicke bitte hier: Literaturhaus Bremen

Ich freue mich sehr auf diesen Aktionstag und bin als Besucherin dabei.

Sonntag, 28. Februar 2016

Blaue Augen, rote Lippen

Es geht wieder einmal um Figuren im Roman oder auch in Kurzgeschichten und die Frage, wieviel Beschreibung nötig ist, um jemanden lebendig darzustellen. Jede Autorin, jeder Autor wird unterschiedlich mit dieser Frage und vor allem der Antwort umgehen.

In der bildenden Kunst ist ein Meister, wer mit wenigen Strichen den Charakter einer Person, einer Landschaft etc. herausarbeitet. Nicht anders ist es beim Schreiben.
Was sagen blaue Augen über ein Geschöpf aus? Erst einmal nichts, es sei denn, diese Figur ist die einzig blauäugige unter Millionen mit anderer Augenfarbe oder Eigenschaft.

Eventuell brauche ich als Autorin ein klares äußeres Bild meiner Protagonisten, aber müsen die Leser das gleiche vor sich haben? Kann ich es wagen, ihnen eigene Fantasie zuzugestehen?

Um eine Figur zu charakterisieren, genügen markante Kleinigkeiten, auch äußerliche, zum Beispiel das ungekämmte Haar, der Zwang, immer einen Hut zu tragen, sobald sie das Haus verlässt. Haar wie Kopfbedeckung müssen aber einen Sinn haben, sonst brauche ich weder das eine noch das andere zu erwähnen.
Die Figur denkt und spricht auf eigene Art, denkt vielleicht das Gegenteil von dem, was sie schließlich sagt. Mit gutem Grund, hoffe ich. Sonst lasst es.

Interessant sind Figuren, die entgegen unserer Annahme handeln. Um Spannung in ein Geschehen zu bringen, können wir mit Vorurteilen spielen und sie so in Frage stellen, den Geschichten eine unerwartete Wendung geben.

Weit ab von allen Regeln der Figurenentwicklung kann ich mich einfach fragen: Was macht einen Menschen für mich interessant? Wann komme ich ihm nahe?

Ein weiteres Hilfsmittel der Forschung ist natürlich das Lesen. Welche Person im Roman hat euch besonders berührt, und warum hat sie das getan?


Um den Figuren auf die Spur zu kommen und Antworten zu finden, laden Jana Hoffhenke und ich euch zu einem neuen Schreibkurs ein. Stattfinden wird er am
Montag, den 23. Mai von 18.00 bis 21.00 Uhr.
Dieses Mal treffen wir uns in Hastedt, im Büro des
Burgenwelt Verlags 
Hastedter Osterdeich 241 
28207 Bremen.

Die Kosten betragen 20,- Euro.

Eine schöne Woche mit interessanten Menschen und Geschichten wünsche ich euch.


Samstag, 20. Februar 2016

Erinnerungen

Wohl jeder von uns weiß, wie fragil sie sind, die Erinnerungen an eine vergangene Zeit.

Als mein Sohn klein war, wusste ich sicher, dass ich keine Minute mit ihm je vergessen würde, hatte sein erstes Lächeln gespeichert, jeden Laut, alle Fortschritte seiner Entwicklung.
Vielleicht sind diese Besonderheiten noch immer in meinem Hirn verankert, doch leider kann ich sie nicht ohne Weiteres abrufen.
So geht es uns mit vielen Begebenheiten. Darauf, dass sich jeder von uns subjektiv erinnert, gehe ich nicht ein. Sehr wohl aber auf das Festhalten. Wer weiß, wann ich diese besonderen Momente oder Abläufe benötige, für eine Geschichte zum Beispiel?
Darum habe ich mir vorgenommen, in besonderen Situationen Notizen zu machen. Aber nicht nur mein eigenes Erleben interessiert mich. Schließlich erfahre ich nur einen Bruchteil dessen, was möglich ist. Ein paar meiner Freunde haben sich schon bereit erklärt, mir Stichworte für meine Notizen zu liefern. Und vielleicht habe ich irgendwann einen Schatz, aus dem ich mich bei Bedarf bedienen kann.
Ist das auch eine Idee für euch?

Ein erlebnisreiches und kreatives Wochenende!

Freitag, 5. Februar 2016

Masken

Im letzten Beitrag habe ich über Gesichter geschrieben, deren Bilder ich zusammenklaube, um genügend Material für Geschichten zu haben.

Eines dieser Gesichter-Bilder wollte ich verändern, weil sich auch meine Figur im Roman ändert - innerlich wie auch im Ausdruck und Aussehen. Also habe ich ein paar Filz- und Buntstifte gezückt und meiner künstlerischen Ambition Raum gegeben. Mit dem Ergebnis, dass mein tatsächlich kunstbewanderter Freund voller Entsetzen anbot, mich zu unterstützen und die Figur auf dem Bild so zu gestalten, dass sie noch erkennbar, aber dennoch zu einer neuen, bzw. älteren Person wird. Danke!

Das, was ich selbst fabriziert hatte, war für meine Zwecke ungeeignet, allerdings so skurril, dass ich Lust auf mehr bekam. Unschuldige wollte ich jedoch nicht verhunzen, und so habe ich eigene Bilder benutzt. Mit dem Überzeichnen ist das Rad natürlich nicht neu erfunden. Ich glaube mich zu erinnern, dass meine Freundinnen und ich schon vor etwa 40 Jahren populäre Personen in Zeitschriften auf diese Art und von Kunstpädagogen angeregt, auffrischen durften. Und auch damals war das nicht neu.

Jetzt aber zu den Ergebnissen, die gleichzeitig als Anregung dienen können: Kreiert eine Figur - ob extrem oder mit zartem Pinselstrich, sei euch überlassen.


















Schön sind sie wahrlich nicht, aber spaßig allemal, eventuell ja schon als Vorschau brauchbar. Und außerdem zählen die inneren Werte, über die ich mich vornehm ausschweige.




Ach so, Vergleichsfotos sind vielleicht doch angebracht, bevor jemand auf die Idee kommt, rechts und links sei schon die Gegenüberstellung.


Euch ein kreatives Wochenende!
Das werde ich auch haben, treffe mich mit anderen Autorinnen. Jede von uns schreibt an einem längeren Text. Ein Vorteil der Gruppe: Wir lesen uns gegenseitig vor und bekommen so gleich eine Rückmeldung. Das ist schriftstellerisches Gold!







Samstag, 30. Januar 2016

Geschichten-Gesichter

In den letzten Tagen habe ich gesucht, und zwar nach Gesichtern für meine Figuren, die im neuen Roman eine Rolle spielen. Mir fehlt nämlich die Vorstellungskraft, das Äußere einer Figur ausschließlich im Kopf zu entwickeln und es dann eine ganze Romanschreibstrecke lang nicht zu verlieren. Handelt es sich um Nebenfiguren, ist das Aussehen oft unerheblich. Allerdings muss, sobald äußere Beschreibung auftaucht, der Anfang mit dem Ende übereinstimmen. Die blonde Nachbarin kann nur nachdunkeln, wenn sie ihre Haare färbt, nicht aber, weil ich als Schriftstellerin unaufmerksam bin.

Auf der Seite www.fotocommunity.de habe ich jede Menge Porträts entdeckt. Die meisten waren unbrauchbar für meine Zwecke, aber ein paar interessante Gesichter habe ich herausgesucht, ausgedruckt und ausgeschnitten. Wenn ich sie nicht alle gleich gebrauchen kann, sind sie vielleicht später von Wert.
Porträts, Bewegungsbilder, Landschaften begegnen euch jeden Tag in Zeitungen, Kalendern, auf dem Bildschirm oder sogar im eigenen Fotoalbum. Wenn ihr euch von einer Darstellung angezogen fühlt, hebt sie auf. Vielleicht entsteht eine Geschichte daraus.

Jetzt muss ich die von mir ausgewählten Bilder meinen Romanfiguren zuordnen. Das funktioniert nicht immer auf Anhieb. Auch wenn mir ein Porträt gut gefällt, kann es sein, dass ich mich auf die Story bezogen nicht damit anfreunden kann, sich immer wieder eine andere Vorstellung davorschiebt. Deshalb würde ich gern zeichnen können.
Die meisten Romanautoren kommen, glaube ich zumindest, ohne diese kleine Stütze aus. Ich übe dann mal.

Ein schönes Wochenende!

Samstag, 23. Januar 2016

Was machen die Figuren ...

aus meinen Geschichten, nachdem ein Buch abgeschlossen ist?
Das habe ich mich gefragt, als ich auf der Suche nach neuem Stoff war. Zwar gab es eine Story, die geschrieben werden sollte, hübsch konstruiert und in groben Zügen schon fertig, aber nicht überzeugend.

Natürlich braucht eine Schriftstellerin ein neues Buch, wenn das eine auf dem Markt ist, muss im Gespräch bleiben, soll möglichst einmal im Jahr etwas Neues hervorzaubern.
Sagt wer? Der Markt? Bin ich davon abhängig oder will ich das sein? Nein.
Also vergesse ich den Druck und die konstruierte Geschichte, die mich nicht wirklich anspringt, sondern eher langweilt.
Was mich dagegen nicht langweilt ist diese Figur, über deren Werdegang ich mir dauernd Gedanken mache - ob ich will oder nicht.
Dann ist also klar, wo meine nächste Aufgabe liegt. Ich werde sie wiedersehen, mich mit ihr unterhalten, sehen, welche Verbindung wir erneut miteinander eingehen können.
Um wen es sich handelt, ist selbstverständlich ein Geheimnis.

Und eine Schreibanregung für euch. Vielleicht habt auch ihr einen Charakter in der Schublade liegen, der noch einmal zum Leben erweckt werden möchte - in einem anderen Kontext oder weiterführend.
Viel Spaß beim wochenendlichen Spinnen.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Schnee

Ja, der liegt. Sogar in Bremen und heute noch sicher. Wie es in den nächsten Tagen aussieht, male ich mir besser nicht aus. Doch jetzt ist er da, schimmert in der Dunkelheit, auf manchen Flächen unberührt.
Ist es nicht erstaunlich, welche Faszination Schnee ausübt? Fallenden Flocken oder die, die nass gegen Scheiben klatschen, auf der Zunge zergehen, im Licht der Scheinwerfer wirbeln.
In einigen Wochen sind viele dieser Sinneseindrücke verblasst, wenn sie überhaupt wahrgenommen wurden.

Schneefledermaus? Flederschneemaus? Schneezauberer? ...


Darum gebe ich euch hier eine Anregung fürs Schreiben. Notiert euch, was ihr hört, spürt, riecht, schmeckt, um es später verwenden zu können. Wer kann sich schon bei 30°C im Schatten an knackende, froststarre Äste erinnern, den Duft der Luft kurz vor dem Schneefall ahnen? Vielleicht wollt ihr aber im Schwimmbad braten und gleichzeitig eine Winterszene beschreiben.

Schneemann oder Schneefrau?


Nicht nur der Winter bietet Gelegenheiten, Sinneseindrücke zu bewahren, zu jeder Jahreszeit sowie im Urlaub, auf Festen, bei Trennungen, Begegnungen und in vielen anderen Momenten könnt ihr das Besondere - zumindest schriftlich - festhalten.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Schreibgedanken

Einige Schreibanregungen zum Thema der Spiegelungen habe ich inzwischen gesammelt. Vielleicht fällt euch ein Text dazu ein.

- Es gab einen Spiegel hinter dem Spiegel, daran erinnerte sie sich genau.

- Golden war er, verschnörkelt und wahrscheinlich wertvoll, auf jeden Fall aber ungewöhnlich klar.

- Grün-blaues Wasser und dieser Mensch mittendrin.

- Spieglein, Spieglein an der Wand, ...

- Sie seien der Spiegel zur Seele, erzählte man sich.

- Sie erschrak, merkte dann aber, dass sie vor ihrem eigenen Spiegelbild zurückgewichen war.

- Ausgerechnet der Spiegelsaal!

- Sie betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Es stimmte, niemand, auch sie selbst nicht, konnte die Ähnlichkeit leugnen.

- Er stand dicht hinter ihr und legte sein Kinn auf ihre Schulter. Wie eine Kreatur mit zwei Köpfen, dachte sie.

- Ich schaue in den Spiegel und sehe ...

- Merkwürdig, dass sich das Bild im Spiegel so sehr vom Foto unterschied.

- Sie betrachtete sich verstohlen in der Schaufensterscheibe.

- Sie hatte nicht nur Geschirr zerschlagen, auch der Spiegel lag in tausend Scherben vor ihren Füßen.

- Guck dich doch an, bist wie dein Vater!

- Ich betrachte mich im Spiegel der Kinder.

- Die dunkle Fensterscheibe warf ihr Bild wie eine Ohrfeige zurück.

- Im Spiegel der Ereignisse betrachtet, ...

- Der Himmel wiederholt sich auf der Oberfläche des Meeres.

- Er spiegelte sich in ihren Augen.

- Der Karneval ist mein Spiegel. Und deiner auch, da sei dir sicher.

- Natürlich spiegele ich mich in dem, was ich liebe (hasse). Etwas anderes ist gar nicht vorstellbar.


Viel Spaß beim Spiegeln!

Spiegel

Noch immer beim Thema der Spiegelungen bekommt ihr die Gedanken(splitter) zweier Schriftsteller zu lesen. Natürlich geht es auch einfacher. Meine Ideen dazu sind es, aber ein bisschen Futter für unser Hirn schadet sicher nicht.


Ich verfolge mich, ich antworte mir, ich 
spiegele und strahle mich zurück, ich schaudre 
vor der Unendlichkeit der Spiegel - 
ich bin aus Glas.

Paul Valéry, Monsieur Teste, 1925


Manchmal sieht uns am Abend ein Gesicht
Aus dunkler Tiefe an in einem Spiegel:
Die Kunst muss sein wie dieser Spiegel,
Enthüllend uns das eigene Gesicht.

Jorge Luis Borges, Ars poetica

Montag, 7. Dezember 2015

Themen vertiefen

... könnt ihr beispielsweise mit dem Automatischen Schreiben.

Dafür stellt ihr euch einen Wecker auf zehn Minuten oder beauftragt einen Zeitwächter, also jemanden, der gerade nichts besseres zu tun hat, als darauf zu achten, dass ihr zehn Minuten lang schreibt.
Das tut ihr auf einem weißen Blatt Papier, ohne Pause zu machen. Wenn euch nichts einfällt, schreibt ihr trotzdem, und wenn es der Satz 'Mir fällt nichts ein.' ist.
Habt ihr vorher ein Thema gefunden, wird es euch nicht schwerfallen, das Blatt zu füllen. Vielleicht war es aber auch das verkehrte, dann nehmt ihr beim nächsten Mal ein anderes.

Dieses Blatt Papier muss niemand zu Gesicht bekommen. Ihr könnt also drauflosschreiben, ohne euch mit Grammatik, Rechtsschreibung oder Anstand zu belasten. Es gibt niemanden, der euch zensiert! Und auch ihr selbst solltet das nicht tun, sondern sehen, was ihr von den Wörtern und Sätzen gebrauchen könnt.

Wenn ihr euch bereits Gedanken zu den Spiegelungen macht, die Thema des
Januar-Schreibkurses sind, bietet sich hiermit die Gelegenheit, ein Stück in die Tiefe zu gehen.

Viel Spaß dabei!

Samstag, 5. Dezember 2015

Themen finden ...

... und sie einzugrenzen funktioniert mit verschiedenen Techniken.

Ich stelle euch das Clustern vor:

In die Mitte eines großen, unlinierten Blattes schreibt ihr ein Thema, eine Frage oder einen Satz, der euch beschäftigt. Diesen Text kreist ihr ein.
Ohne Pause zu machen und nachzudenken oder eure Ideen zu bewerten, schreibt ihr alle Begriffe, die euch zum ersten einfallen, drumherum und kreist sie ebenfalls ein. Dabei verbindet ihr das, was eurer Meinung nach eng beieinander liegt, mit einer Linie.
Nach etwa einer viertel Stunde seid ihr wahrscheinlich 'ausgeschrieben'.

Jetzt habt ihr eine Sammlung an Wörtern, von denen ihr einige verwerfen und andere gebrauchen könnt, um an eurem Text weiterzuarbeiten oder mit einem zu beginnen.
Wenn ihr trotzdem nicht weiterkommt, könnt ihr ein weiteres Cluster mit einem euch wichtig erscheinenden Begriff aus eurem ersten erstellen.

Manchmal braucht man etwas Übung, um in diese Methode hineinzufinden. Sollte es nicht gleich funktionieren, probiert es ruhig einige Male aus, bevor ihr diese Arbeitsweise verwerft.
Möglich ist, dass ihr euch zu sehr konzentriert. Das soll gerade nicht sein. Die Gedanken müssen fließen dürfen, und es ist völlig gleichgültig, ob euch eure Ideen albern und abwegig erscheinen. Das, was ihr nicht gebrauchen wollt, streicht ihr eben hinterher.





Das ist kein Original-Cluster der Grimms, aber so könnte es gewesen sein. Ich weiß nur nicht, ob die Gebrüder mit dieser Methode gearbeitet haben.

Wenn ihr tiefer ins Geheimnis des Clusterns einstiegen möchtet, könnt ihr das  hier
http://www.berlinerzimmer.de/heins/heins_cluster.htm

oder im Buch von Gabriele L. Rico, Garantiert schreiben lernen.

Freitag, 27. November 2015

Christof Zirkel

Als ich zum ersten Mal auf der Seite von Christof Zirkel gelandet bin, hat mich gleich der erste Eintrag irritiert und geärgert.

"Leider wird dieser Blog hiermit geschlossen. In der Folge eines Herzinfarkts bin ich am 
11. September 2012 gestorben. ..."

So ein makabrer Scherz, habe ich gedacht und versucht, herauszubekommen, wer mich derart auf den Arm nehmen will. Schnell wurde mir klar, dass Christof Zirkel tasächlich nicht mehr lebt. Seinen Blog dagegen hat er uns überlassen - lebendig und aktuell.
Hier könnt ihr Stunden herumstromern, Schreibanregungen aufgreifen, etwas über eure Muse erfahren oder nachlesen, wie ihr eine Schreibgruppe leiten könnt. Ihr findet einen unerschöpflichen Fundus an Ideen. Unerschöpflich nicht, weil Christof Zirkel alles geschrieben hat, was es mitzuteilen gibt, sondern weil er dazu anregt weiterzudenken, Neues zu entwickeln.

Lasst euch inspirieren! schreibschrift.wordpress.com